Trotz “Harzfrei-Handicap”: HSV Insel Usedom erkämpft sich 31:27-Auswärtssieg bei der SG OSF Berlin

Berlin. Der HSV Insel Usedom hat am Wochenende eine echte Charakterprüfung bestanden. Mit einem hart umkämpften 31:27 (14:13)-Auswärtserfolg bei der SG OSF Berlin nahmen die Insel-Handballer beide Punkte mit an die Ostsee. Dabei mussten die Gäste nicht nur gegen hochmotivierte Hausherren ankämpfen, sondern vor allem gegen die widrigen Rahmenbedingungen: In der Berliner Halle herrschte striktes Harzverbot.

Für den HSV Insel Usedom, dessen schnelles und präzises Offensivspiel elementar auf den Einsatz von Haftmitteln angewiesen ist, war dies ein enormer Nachteil. Ohne den gewohnten Grip am Spielgerät fehlte es in der Anfangsphase merklich an Passschärfe und Wurfgenauigkeit.

Berliner Blitzstart und die Usedomer Anpassungsphase

Genau diese Umstellungsprobleme wusste die SG OSF Berlin in der ersten Viertelstunde eiskalt auszunutzen. Angetrieben von einem treffsicheren Magnus Haak, der gleich zu Beginn zwei Siebenmeter verwandelte, und Ole Rosenbusch zogen die Berliner schnell auf 3:1 (8. Minute) und 6:4 (13.) davon. Bei den Usedomern merkte man in dieser Phase deutlich, dass die Automatismen mit dem ungewohnt rutschigen Ball nicht griffen. Als Jonas Pate in der 15. Minute gar auf 8:5 für die Gastgeber stellte, schien das harzfreie Spiel dem HSV zum Verhängnis zu werden.

Doch die Mannschaft bewies immense Moral. Statt mit den Bedingungen zu hadern, passten die Usedomer ihre Spielweise an, suchten sicherere Abschlüsse und stabilisierten die Deckung. Was folgte, war die stärkste Phase der Gäste in Durchgang eins: Ein beeindruckender 5:0-Lauf durch Tore von Dawid Ruhnke, Marc-Christoph Hagemeier, Louis Städing, Christian Schwarz und Sidney-Mike Loof drehte den 8:5-Rückstand binnen fünf Minuten in eine 10:8-Führung (20.) für den HSV. Zur Pause nahmen die Gäste einen knappen 14:13-Vorsprung mit in die Kabine.

Nervenschlacht im zweiten Durchgang: Usedom behält kühlen Kopf

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein zähes Ringen. Die Berliner ließen sich nicht abschütteln und bestraften Fehler der Usedomer gnadenlos. In der 35. Minute kippte das Spiel sogar kurzzeitig wieder zugunsten der Hausherren, als Till Maximilian Bartels das 18:17 für die SG OSF erzielte.

Doch die Usedomer ließen sich trotz des fehlenden Harzes und des hitzigen Spielverlaufs nicht aus der Ruhe bringen. Angeführt von einem überragend aufspielenden Dawid Ruhnke und dem treffsicheren David Herberg übernahm der HSV nun endgültig das Kommando. Defensiv packte Usedom härter zu, offensiv fand man immer wieder die Lücken in der Berliner Abwehr.

Spätestens Mitte der zweiten Halbzeit brach Usedom den Widerstand der Berliner. Von 19:21 (41.) zogen die Gäste durch Herberg, Loof und einen Doppelschlag von Ruhnke vorentscheidend auf 22:27 (52.) davon. Berlins Trainer versuchte mit Auszeiten in der 44. und 52. Minute den Rhythmus der Insel-Sieben zu brechen – vergebens.

Souveräne Schlussphase

In den Schlussminuten versuchte Berlin noch einmal alles und kam durch schnelle Tore von Davide Sgorbati noch etwas heran, doch der Sieg des HSV geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Den Schlusspunkt unter eine packende Partie setzte Louis Städing wenige Sekunden vor dem Abpfiff zum 31:27-Endstand.

Fazit: Ein Sieg des Willens für den HSV Insel Usedom. Dass die Mannschaft trotz des massiven Nachteils des harzfreien Balls, der das eigene Tempospiel über weite Strecken stark limitierte, einen kühlen Kopf bewahrte und in den entscheidenden Phasen die Tore machte, spricht für die hohe Qualität und mentale Stärke des Teams.