Ahlbeck.
Spannung, Emotionen und ein Kampf auf Biegen und Brechen: Das Ostsee-Spree-Liga-Derby zwischen dem HSV Insel Usedom und dem Aufsteiger HC Vorpommern-Greifswald hielt am Samstagabend, was es versprach. Vor einer lautstarken Kulisse in der Ahlbecker Pommernhalle setzten sich die Gäste vom Festland am Ende knapp, aber verdient mit 29:27 (15:14) durch und sammelten wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.
Der Wille entscheidet
„Wir wollen hier den Erfolg“, hatte HC-Coach Gunnar Jasmann vor der Partie als Marschroute ausgegeben – und seine Mannschaft lieferte. Von der ersten Minute an zeigten die Greifswalder jene Körpersprache und den Siegeswillen, der in einem solchen Nachbarschaftsduell den Ausschlag gibt. Während der HSV Insel Usedom, geschwächt durch das Fehlen dreier Stammspieler, oft die spielerische Leichtigkeit vermissen ließ, kompensierte der Gast dies mit Leidenschaft und einem starken Torhüter-Duo.
Spielverlauf: Ein ständiges Auf und Ab
Die Partie begann ausgeglichen. Zwar konnte der HSV durch Sidney-Mike Loof früh mit 3:1 (6. Minute) in Führung gehen, doch die Gäste ließen sich nicht abschütteln. Angeführt von Jonas Schlingmann, der insgesamt sieben Treffer markierte, kämpfte sich der HC heran und übernahm Mitte der ersten Halbzeit das Zepter. Beim Stand von 13:15 (29. Minute) durch einen Siebenmeter von Jannes Bonin schien sich der Gast leicht abzusetzen, ehe Christian Schwarz für die Hausherren zum 14:15-Pausenstand verkürzte.
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Der HSV kam besser aus der Kabine und drehte das Spiel kurzzeitig. Besonders Marc-Christoph Hagemeier, mit 9 Treffern bester Schütze des Abends, war in dieser Phase kaum zu stoppen. Als Hagemeier in der 47. Minute zum 24:22 für Usedom traf, kochte die Halle – der Heimsieg schien greifbar.
Die dramatische Schlussphase
Doch genau in dieser Phase bewies der Aufsteiger Moral. Statt einzubrechen, nutzte der HC eine Zeitstrafe gegen Usedoms Robyn Saß und technische Fehler der Gastgeber eiskalt aus. Cevin Biederstädt und Tom Steinberg glichen zum 24:24 aus.
Die letzten zehn Minuten wurden zum Nervenspiel. Beim Stand von 27:27 (58. Minute) behielten die Greifswalder die Nerven, während dem HSV das Wurfglück fehlte. Cevin Biederstädt brachte die Gäste erneut in Front. Die Entscheidung fiel 37 Sekunden vor Schluss: Beim Stand von 27:28 verwarf Christian Schwarz einen entscheidenden Siebenmeter für Usedom. Im Gegenzug machte Hannes Werner mit dem Tor zum 27:29 den Auswärtssieg perfekt.
Stimmen zum Spiel
Die Trainer waren sich in der Analyse einig: Der größere Siegeshunger hatte entschieden.
HSV-Trainer Patrick Glende: „Es hat die Mannschaft gewonnen, die heute über die besseren Torhüter verfügte und die mehr gebissen hat.“ Kritisch merkte er an, dass sich sein Team in der engen Phase teils gegenseitig runterzog: „Das werden wir sofort wieder abstellen. Das geht gar nicht.“
HC-Trainer Gunnar Jasmann: „Ich bin überglücklich, dass sich die Jungs endlich mal für die harte Arbeit belohnt haben. Die Stimmung war einfach geil. Unser Team hat spielerisch überzeugt und wir wissen jetzt, dass wir auch hier bestehen können.“
Trotz der Brisanz und insgesamt 14 Strafminuten blieb das Derby im Rahmen des Fairplay – ein harter, aber herzlicher Kampf um die Vorherrschaft in Vorpommern, den an diesem Abend die Greifswalder für sich entschieden.
Statistik zum Spiel:
HSV Insel Usedom: Krynski, Sudak – Hagemeier (9), Schwarz (4/1), Loof (4/1), Geiser (4), D. Herberg (3), Saß (2), Michelson (1), Gürgens, J. Herberg, Nowomiejski, Mucha.
HC Vorpommern-Greifswald: Surke, Uhl – Schlingmann (7), Steinberg (6), Biederstädt (4), Bonin (3/2), Werner (3), Eichhorn (2/1), Urbaniak (2), Jung (1), Felkel (1), Wessely, Sprüwing, Wegener, Ihleburg.
Siebenmeter: HSV 5/2 – HC 5/3
Strafminuten: HSV 10 – HC 4