33:30 (12:15) – Mit einer furiosen Aufholjagd in den letzten zehn Minuten hat der HSV Insel Usedom am Halloweenabend das Vorpommern-Derby gegen den HC Vorpommern Greifswald für sich entschieden. Vor einer fantastischen Kulisse, in der sowohl das Heimpublikum als auch die zahlreich mitgereisten Gästefans für Gänsehaut-Atmosphäre sorgten, sah es über 50 Minuten nach einem Auswärtssieg aus – ehe die Insulaner zu einem denkwürdigen Schlussspurt ansetzten und die Halle zum Beben brachten.

Erste Halbzeit: Greifswald übernimmt früh das Kommando

Das Derby begann ohne langes Abtasten mit offenem Visier. Tom Steinberg eröffnete nach 42 Sekunden den Torreigen für die Gäste aus Greifswald, doch Louis Städing antwortete im direkten Gegenzug zum 1:1. In einer temporeichen Anfangsphase wechselte die Führung mehrfach: Nach Treffern von David Herberg (2:2), Christian Schwarz (3:3, 5:4) und erneut Louis Städing (4:3) lagen die Hausherren in der 7. Minute knapp vorn.

Zwei schnelle Zeitstrafen gegen Usedom (Robyn Saß und Sidney-Mike Loof) brachten den Rhythmus des HSV jedoch ins Stocken. Greifswald nutzte die Überzahl eiskalt aus: Cevin Biederstädt drehte die Partie mit einem Doppelpack zum 5:7 (10.), und bis zur 15. Minute bauten die Gäste den Vorsprung durch Fiete Strüwing, erneut Biederstädt und Tom Steinberg auf 7:10 aus.

Trotz dreier verworfener Siebenmeter der Gäste im ersten Durchgang – Simon Voigt (3., 19.) und Tom Steinberg (24.) scheiterten jeweils vom Punkt – fand Usedom offensiv nur schwer Lösungen gegen die kompakte Greifswalder Deckung. Nach einer Auszeit von HSV-Trainer Patrick Glende (19.) kämpften sich die Insulaner durch Dawid Ruhnke, Krzysztof Mucha, Tim Riedel und Julian Herberg zwar auf 11:12 (24.) heran, doch eine doppelte Unterzahl kurz vor der Pause (Zeitstrafen gegen Mucha und Riedel) spielte den Gästen in die Karten. Fiete Strüwing stellte zwölf Sekunden vor der Sirene auf den 12:15-Pausenstand.

Zweite Halbzeit: Fünf-Tore-Rückstand und die große Wende

Auch nach dem Seitenwechsel behielt der HC Vorpommern Greifswald zunächst die Oberhand. Während Dawid Ruhnke den HSV per Siebenmeter im Spiel hielt, zogen die Gäste über Len Weißhuber, Jannes Marten Bonin, Cevin Biederstädt und Igor Urbaniak bis zur 38. Minute auf 15:20 davon – der höchste Rückstand des Abends für die Gastgeber.

Angetrieben von den unermüdlichen Heimfans gab sich der HSV jedoch nicht geschlagen. Louis Städing (38., 41.), David Herberg (39.), Sidney-Mike Loof (42.) und Karol Moscinski (43.) starteten eine erste Aufholjagd und verkürzten beim 21:22 auf einen einzigen Treffer. Greifswald reagierte mit einer Auszeit und stellte den alten Abstand durch Tom Steinberg, Niklas Felkel, Igor Urbaniak, Jannes Marten Bonin und Jonas Schlingmann wieder her: Beim 24:27 in der 49. Minute schien der Auswärtssieg weiterhin greifbar.

Die letzten neun Minuten: Moscinski und Mucha entfesseln das Tollhaus

Als das Heimteam in der 52. Minute beim Stand von 24:27 seine letzte Auszeit nahm, war dies der Startschuss für ein dramatisches Finale:

  • 52. bis 55. Minute – Der Ausgleich: Marius Michelson (52.) und David Herberg (53.) brachten Usedom auf 26:27 heran, ehe Karol Moscinski in der 55. Minute den umjubelten 27:27-Ausgleich markierte.

  • 57. Minute – Der Doppelschlag: Die Halle stand Kopf, als erneut Karol Moscinski binnen 16 Sekunden zweimal traf (56:26 und 56:42) und seinen lupenreinen Hattrick zur 29:27-Führung perfekt machte – die erste Führung für den HSV seit dem 5:4 in der 7. Minute.

  • 58. bis 60. Minute – Die Entscheidung: Greifswald verkürzte nach einer Auszeit durch Angus Kuhn zwar noch zweimal (29:28, 31:29), doch nun übernahm Krzysztof Mucha die Verantwortung: Mit drei Treffern in den letzten zweieinhalb Minuten (58., 59., 60.) hielt er die Gäste auf Distanz. Den Schlusspunkt zum 33:30-Endstand setzte David Herberg neun Sekunden vor dem Ende, ehe auf den Rängen und dem Parkett grenzenloser Jubel ausbrach.

Statistik & Torschützen im Überblick

Mannschaft Torschützen (Tore / davon 7m)
HSV Insel Usedom (33) Dawid Ruhnke 6 (5), Louis Städing 5, Krzysztof Mucha 5, David Herberg 5, Christian Schwarz 4 (1), Karol Moscinski 4, Robyn Saß 1, Tim Riedel 1, Julian Herberg 1, Sidney-Mike Loof 1, Marius Michelson 1
HC Vorpommern Greifswald (30) Tom Steinberg 5 (1), Cevin Biederstädt 4, Angus Kuhn 4, Fiete Strüwing 3, Igor Urbaniak 3, Jannes Marten Bonin 3, Len Weißhuber 3, Simon Voigt 2 (1), Jonas Schlingmann 2, Niklas Felkel 1
  • Strafminuten: HSV Insel Usedom 10 Minuten (Riedel 2x, Saß, Loof, Schwarz, Mucha) – HC Vorpommern Greifswald 10 Minuten (Weißhuber 2x, Bonin, Urbaniak, Schlingmann, Kuhn)

  • Siebenmeter: Usedom 6/6 – Greifswald 2/5